Sonntag, Januar 18, 2009

Ich gang go poschte

... oder weshalb wir einiges zwei bis drei Mal sagen.

Mit dem Titel dieses Beitrags können die Schweizer regelmässig Unverständnis bei den Deutschen ernten. Es heisst nichts anderes als "Ich gehe am einkaufen".  Der Titel des Beitrages stammt aus dem Standard Schweizerdeutsch. In meinem Dialekt heisst es  noch etwas komplizierter Am Samschtig gang i goge poschte.

Wir treffen gleich auf zwei spezielle Sachen.:
  • Einfach zu verstehen ist, dass die Schweizer nicht "einkaufen", sondern "poschted". Wenn wir zur Post gehen heisst das: "Mär gönd uf Poscht", auch wenn wir bei der Post nicht auf das Dach klettern. 

  • Etwas schwieriger wird es mit den Verben. Im Schweizerdeutschen wird die Absicht mit ga (deutsch: gehen) ausgedrückt, aber das Verb muss zwei bis drei Mal wiederholt werden. Die Wiederholungen sind die unbetonten Formen go für eine Wiederholung oder goge für zwei Wiederholungen.  Daraus lässt sich der schöne Satz Ich gang goge poschte bauen, wo das Verb gehen dreimal hintereinander vorkommt. 

    Die Formen Ich gang go und Ich gang goge sind gleichwertig.  Ich bevorzuge die zweite Variante, die erste scheint aber häufiger zu sein. Die Formen laufen unter dem Begriff Redublikation. Sie kommt im Schweizerdeutschen noch an drei anderen Stellen vor, nämlich mit lah (lassen), cho (kommen) und afange (anfangen).

    Wir machen daraus folgende schöne Sätze:

    Ich lanen lahla sta.
    (Ich werde ihn stehen lassen.) 

    Chum choge helfe!
    (Komm hilf mir!)

    Es het afange afa regne.
    (Es begann zu regnen.)






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