Donnerstag, Juni 24, 2010

iPad - meine ersten Erfahrungen

Ja, ich habe ein iPad gekauft. Mich hat das Konzept des Gerätes fasziniert: ein Bildschirm zum Betrachten von Fotos und Dokumenten, der so leicht ist, dass es ohne Mühe über den Tisch gegeben werden kann. Faszinierend, wie das Bild für den Betrachter immer richtig steht, faszinierend wie schnell sich zoomen und blättern lässt. Auch das Aufstarten verblüfft, denn das gestochen scharfe Bild ist schneller da als der Bildschirm eines Laptops geöffnet ist.

iPad

Obwohl viele sagen, dass das Gerät als eBook-Reader nichts taugt weil es zu schwer ist, könnte das Konzept des iPads ein Erfolg werden und zwar als Wohnzimmercomputer neben dem Sofa.

Auch an der Arbeit könnte das iPad ein nützliches Gerät sein. Ich hätte endlich meine technischen Zeichnungen, Handbücher, Präsentationen, Tabellen und Schemas zur Hand ohne den Laptop mit mir rum zu tragen, den ich ev. am Ziel angekommen nicht einmal abstellen kann. Auf dem iPad wäre schnell etwas gezeigt oder die grossen Zeichnungen bis auf die kleinsten Details aufgezoomt. Der Traum scheitert aber im Moment noch an der fehlenden Möglichkeit eine vernünftige Verzeichnissstruktur aufzubauen.

Auspacken, Einschalten, Geht
Mein iPad habe ich per Mailorder von Apple bestellt. Die Versuche das Gerät in einem Store zu kaufen schlugen fehl. An der 5th Avenue hatte es zu viele Leute, in einem anderen Store war es ausverkauft. Das Konzept der Apple Stores habe ich sowieso nicht verstanden. Es wirkt für mich unübersichtlich und ich kann nicht in Ruhe etwas anschauen ohne von einem Berater belästigt zu werden.


Das iPad kam direkt aus China zu mir. Die Sendung wurde in Shenzhen aufgegeben und kam über Hong Kong und Anchorage an die Ostküste der USA. Ausgepackt und losgelegt. Als PC-gewohnter Nicht-iPhone-Besitzer kämpfe ich mit der Bedienung. Der beigelegte Zettel sagt nur "Einschalten und mit iTunes verbinden". Intuitiv finde ich mich zwar ganz schnell zu recht, aber ich habe das Gefühl, dass ich noch nicht alles entdeckt habe.

Es dauert lange, bis ich finde, wie sich die automatische Rechtschreibehilfe ausschalten lässt. Eine Bedienungsanleitung zum Gerät gibt es nicht, die Online-Hilfe ist eher ein Werbeveranstaltung.  Irgendwann habe ich mich daran gewöhnt, dass bei der Suche mit Safari die Eingabezeile von Hand gelöscht werden muss. Andere Sachen sind immer noch ungelöst. Ich weiss zum Beispiel nicht, wie ich gezielt Fotos auf das Gerät übertrage ohne jedesmal den ganzen Inhalt zu Synchronisieren. Weiter fehlt mir die Datenstruktur mit Ordern für meine pdf Dateien. Auch das Verständnis für das Zusammenspiel von AppStore, iTunes und iPod hat mir am Anfang gefehlt und im iTunes stolpere ich immer noch durch die unübersichtliche Gegend. Ich habe mir die Welt der angebissenen Äpfel einfacher vorgestellt.

iPad

Fingerabdrücke
Oben ist eine Nahaufnahme meiner Fingerabdrücke auf dem iPad. Die Nahaufnahme habe ich gleichzeitig mit dem Bild oben gemacht. Ich sehe die Fingerabdrücke nur wenn das Gerät ausgeschaltet ist, aber dann schaue ich es meist gar nicht an. Die Fingerabdrücke stören wahrscheinlich nur die Saubermänner oder Gadget-Freaks, die das iPad im ausgeschalteten Zustand als Wohnzimmerdekorationsobjekt nutzen wollen. Ich sehe darin einen Gebrauchsgegenstand und der darf Fingerabdrücke haben.

Schreiben
Schreiben auf dem iPad geht gut solange nicht mehr als 300 Zeichen geschrieben werden wollen. Bei längeren Texten habe ich die Geduld nicht. Mich ärgern die aufgestauten Gedanken, welche raus wollen aber nur langsam mit zwei Fingern geschrieben werden können. Für einen Kommentar im Blog oder Forum genügt das iPad, sonst geht es mit zehn Fingern am Laptop schneller. Cool ist, dass ich am iPad im stehen mit einer Hand schreiben kann ohne mich mit der Handytastatur abzuquälen. Am Handy breche ich mir noch heute die Finger.

Kein Flash
Schade dass sich die Apple-Leute gegen Flash gewehrt haben. Obwohl Flash in 9 von 10 Fällen zu unrecht angewendet wird und meist nur sinnlose Werbung streut, geht Surfen ohne Flash heute praktisch nicht mehr. Viele Video File können nicht abgespielt werden und ich quäle mich mit diversen Workarounds. Wirklich schade.

Kein PDF?
Mit den vorinstallierten Sachen kann man keine PDF-Dateien lesen, also habe ich GoodReader angeschafft. Zuerst die falsche Version erwischt - diejenige fürs iPhone, denn iTunes scheint zu doof zu sein, um mich davor zu warnen, dass ich gar nicht das passende Gerät dazu habe. Die iPad Version ist aber super.

Neuerdings kann auch iBooks PDF-Dateien lesen, die Funktion scheint aber recht lieblos implementiert worden zu sein und steht in manchem dem GoodReader nach. Im besonderen ist die Navigation im Dokument schlechter.

Kein Laptop, kein Telefon
Zugegeben, das iPad sieht gut aus. Im Gegensatz zu einem herumstehenden Laptop tritt es in der Wohnlandschaft nicht als elektronisches Gerät auf. Es ist zum Glück auch kein Telefon, denn dann würde sich wieder die ganze Bedienung des Gerätes auf das Telefonieren ausrichten und eine lokale SIM Karte wäre nötig - mühsam für Leute, die zwischen mehreren Ländern unterwegs sind. In Amerika scheint übriges kein Gerät zu gross zu sein um es sich ans Ohr zu halten - die Blachberries und PDAs sind sicher noch zu toppen. Mich nimmt ehrlich wunder, wer sich den ersten 20'-Container ans Ohr hält ...

Schluss
Das Gerät ist besser als die Kritiken vermuten lassen, an die Apple Welt und ihre Philosophien muss ich mich aber zuerst gewöhnen.

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