Freitag, Januar 14, 2011

Journalistische Schwierigkeiten mit einem gekenterten Tankschiff

Bei der Loreley ist das Tankmotorschiff Waldhof gekentert, das mit rund 2400 Tonnen Schwefelsäure beladen ist. Bei dem tragischen Unfall sind wahrscheinlich zwei Schiffsleute ums Leben gekommen. Das Schiff liegt mit der Backbordseite (für Nicht-Seefahrer "linken Seite") auf Grund, so dass die Steuerbordseite (für Nicht-Seefahrer "rechte Seite") auf der ganzen Länge über der Wasserlinie liegt.

Die Journalisten ringen mit der Sprache genau so schwer um die Lage des Schiffes, wie die Bergungsmannschaften. Gestern im Fernsehen trieb der Tanker im Rhein, obschon ich mir nicht so genau vorstellen kann, dass sich das Schiff auf Grund des Rheins noch stark bewegt. Bei der FAZ und vielen anderen Medien ist die dpa Agenturmeldung zu lesen, wo unter anderem steht:
Das 110 Meter lange Tankmotorschiff lag auf der Backbordseite im Rhein, große Teile des Steuerhauses, der Wohnung und der Laderäume waren versunken.
Das Schiff liegt immer noch auf Grund also ist lag und waren in der Vergangenheitsform schon mal falsch. Wie ein Schiff auf der Backbordseite im Rhein liegen kann ohne dass es versunken ist entzieht sich meiner Kenntnis. Auch die Formulierung um den Laderaum ist seltsam, denn der umfasst eigentlich das ganze Schiff.



Hier noch ein Bild der Waldhof in besseren Zeiten beim Laden von Salzsäure im Bayer-Werke in Hohenbudberg bei Krefeld. Auf der Unglücksfahrt war die Waldhof von BASF-Ludwigshafen nach Antwerpen unterwegs.

Noch mehr Bilder aus besseren Zeiten:



Update 25.1.2010
Das Schiff liegt immer noch gekentert im Fluss. Der bergwärts fahrenden Verkehr wurde am Mittwoch nach über zwei Wochen Unterbruch wieder aufgenommen, wobei den mehrgliedrigen Schubverbänden Schlepper vorgespannt werden um die Manövrierfähigkeit zu verbessern. 

Der talwärts fahrende Verkehr ist immer noch eingestellt, da bei einer Kollision mit dem Wrack eine grosse Explosionsgefahr bestünde weil auslaufende Salzsäure sofort mit Wasser reagieren würde. Flussabwärts fahren die Schiffe dreimal schneller als bei Bergfahrt um die Manövrierfähigkeit zu behalten. Mittlerweile würden bereits 300 Schiffe auf die Durchfahrt warten. Die Talfahrt dürfte erst in ca. zwei Wochen wieder frei gegeben werden.

Seit Samstag 22.1 ist der Schwimmkran "Atlas" in Position, am Sonntag folgte der zweite mit dem Namen "Grizzly". Die Bergung wird von der holländischen Spezialfirma Mammouet durchgeführt, welche auch das russische Atom-U-Boot Kursk gehoben hatte. Die Bundesstraße nahe der Unglücksstelle wurde über das Wochenende für jeglichen Verkehr gesperrt um Schaulustige abzuhalten. 

Die drei für die Bergung notwendigen Schwimmkräne "Atlas", "Grizzly" und "Amsterdam". 
Im Hintergrund ist oben rechts die gekenterte "Waldhof" sichtbar, vorne fährt ein Schiff
im Geleit eines Schleppers vorbei.


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