Samstag, November 14, 2009

Kitsch anteportas

In knapp zwei Wochen wird in den USA Thanksgiving gefeiert, erst danach wird die Weihnachtsdekoration hervorgeholt. In Europa sieht man das nicht so eng, so dass ich heute in Witzenhausen beobachten konnte, wie mit Hilfe eines Feuerwehrautos eine Laterne in Kerzenflammenform auf den Diebesturm gehoben wurde. Aus meiner Sicht etwas kitschig.


Da die Weihnachtszeit besonders reich an Kitsch, schreibe ich hier etwas mehr zu diesem Begriff:

Das Wort taucht ca. 1870 im Münchner Kunsthandel auf und könnte vom mundartlichen kitschen „streichen, schmieren, zusammenscharren“ stammen. Es wird auch im Englischen und Französischen verwendet.

Nach Gillo Dorfles „Der Kitsch“ (Tübingen, 1969) muss das Objekt eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:

  1. Reproduktion eines bekannten Kunstwerkes der Vergangenheit
    (z. B. Mona Lisa, van Goghs Sonnenblumen)

  2. Personen, Ereignisse etc. nehmen einen rituellen Wert an, der ihnen nicht zukommt
    (z.B. Folkloreaufführungen)

  3. Übertragung von einem Medium ins andere
    (verfilmter Roman, Popmusik aus abgewandelter klassischer Musik etc.)

  4. Verniedlichung
    (z.B. bestimmte Darstellung von Kindern, Tieren, etc.)

  5. etwas tritt in der Form von etwas ganz anderem auf (z. B. eine Uhr in Gitarrenform)

  6. übersteigerte Dimension, aber noch verwendbar (z. B. ein übergroßes Glas)

  7. das Nachahmen einer anderen Zeit
    (z. B. neue Figuren im Stil des 18. oder 19. Jahrhunderts)


Die Kerze auf dem Turm erfüllt aus meiner Sicht Kriterium 5.

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